Amalthea
Amalthea
Nach einer ganzen Weile besuchte ich gestern wieder einmal eine Vorstellung im UCI, da „Der Exorzist – Director's Cut“ im CinemaxX nicht aufgeführt wird. Der Genuss dieses Besuchs ist einzig und allein dem gesehenen Film zu verdanken. Vom vorführenden Kino bin ich wieder einmal enttäuscht worden, was mich dazu bewegt, meine Erfahrungen mit dieser Einrichtung einmal in dieser Form zu resümieren.
Die Probleme beginnen mit dem Mangel, den ich als erstes wahrnahm, nachdem die Vorstellung begann: Das optische System des Projektors im Kino 3 lieferte völlig unbefriedigende Helligkeitswerte, wohl aufgrund von Altersschwäche. Dies resultierte in vermindertem Bildkontrast und deutlichem Zeichnungsverlust in dunklen Bildteilen, was für einen Horrorfilm, der genregemäß sehr viele derartige Szenen enthält, tödlich ist. Auch der Ton in besagter Aufführung ließ zu Wünschen übrig: Ein deutliches Schnarren im mittleren Frequenzbereich des Centers trübte die Verständlichkeit der Dialoge. Hier sollte ein Tontechniker nachforschen.
Womit wir bei einem weiteren Problem angelangt wären: Das Personal im Vorführraum scheint bisweilen etwas zusätzliche Ausbildung vertragen zu können. So ist es mir mehrmals passiert, dass es zu Beginn der Vorstellung zu Totalaussetzern kommt. In der Präsentation von „Hollow Man“ am 18.10.2000 um 20:00 Uhr geschah dies, um ein Beispiel zu nennen. Die Krönung derartiger Vorkommnisse war jedoch bei „Der Soldat James Ryan“ erreicht. Hier versuchte der Vorführer, einen sphärischen Flat-Widescreen-Film durch eine anamorphe Optik zu projizieren, so dass ich die ersten Minuten des Films nur stark verzerrt zu sehen bekam. Derartige Patzer wären in der von mir erlebten Häufung noch zu verschmerzen, ich würde mir jedoch wünschen, dass der Film, wenn derartige Fehler zu Beginn passieren, noch einmal zurückgefahren und von Anfang an korrekt gezeigt wird. Ich kann zwar nicht einschätzen, wie lange so etwas dauert, doch eine kleine Wartezeit würde ich gern in Kauf nehmen. In den oben erwähnten Vorstellungen geschah dies jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Bei „Der Soldat James Ryan“ wurden Teile des Films sogar übersprungen, da der Projektor während der Korrekturversuche des Vorführers weiterlief.
Ein nächstes, häufiger von mir beobachtetes Problem sind kurze Aussetzer im Ton bedingt durch Drop-Outs in der Dolby-Digital-Tonspur. So geschehen in der Präsentation von „The Perfect Storm“ im englischen Original am 11.9.2000 um 20:00 Uhr. Mir ist bewusst, dass die Dolby-Digital-Spur durch ihre physikalische Lage zwischen den Perforationslöchern anfällig für Beschädigungen ist, doch es gibt eine einfache Methode, dieses Problem zu vermeiden. Gerade das UCI mit seiner überdurchschnittlichen Zahl an DTS-fähigen Sälen könnte derartige Pannen durch den Einsatz des robusteren DTS vermeiden. Obendrein versprechen sich Goldöhrchen von DTS noch einen besseren Klang.
Um wieder auf die eigentlich zugrunde liegende gestrige Vorstellung des Exorzisten zurückzukommen, so gab es noch weitere Kritikpunkte, die mich deshalb besonders ärgern, weil sie leicht abzustellen sind. Sehr störend war, dass auch eine Stunde nach Vorstellungsbeginn noch neue Zuschauer hereingelassen wurden. Die aufgrund eines sehr unkundigen Publikums ohnehin schon herrschende Unruhe wurde dadurch noch verstärkt. Gegenüber den pünktlich anwesenden Gästen, die den Film in Ruhe genießen wollten, empfinde ich dies als eine Frechheit. Ein ähnliches Problem eröffnet sich am Ende der Vorstellung: Kaum blendet die letzte Einstellung aus und es erscheinen die ersten Zeilen des Abspanns, dreht man bei Ihnen das Licht an. Ich weiß, dass viele Leute während des Abspanns gehen, doch ich bitte sie, dies durch die Beleuchtung nicht noch zu forcieren. Der Abspann gehört zum Film und sie sollten denen, die ein solches Kunstwerk bis zum Ende sehen wollen, diese Chance auch einräumen und dieses Verhalten aus Respekt vor den Filmschaffenden begünstigen. Die bereits ungeduldig lauernde Putzkolonne trägt auch nicht gerade dazu bei und könnte ruhig zu etwas mehr Diskretion angehalten werden.
Alles in Allem muss ich feststellen, dass das gesamte Gebaren des UCI den fahlen Beigeschmack der Massenabfertigung aufkommen lässt. In der Wahl zwischen Qualität und Quantität hat man sich wohl für die Quantität entschieden. Dabei wird der Film vom Kunstgenuss zum Konsumgut degradiert. Sollte sich diese Praxis nicht ändern, haben Sie zumindest mich als Kunden verloren und ich rate jedem von Ihrer Einrichtung ab, der ähnliche Qualitätsansprüche hat, wie ich. Angesichts der doch stolzen Preise finde ich diese Maßstäbe auch nicht übertrieben, zumal andere Kinos in Dresden zeigen, wie es besser geht.
Qualität und Quantität: ein offener Brief an die UCI Kinowelt Elbepark Dresden
#film
Qualität und Quantität
Sonntag, 25. März 2001