Amalthea
Amalthea
Mein erster in Euro bezahlter Kinogang ist ein würdiger Jahresauftakt. „Ocean's Eleven“ ist eine herrlich altmodische Gaunerkomödie, eine Art Olsenbande im extragroßen Hollywood-Format. So groß, dass der Film selbst das 1960'er Original von Lewis Milestone hinter sich lässt.
Damals wie heute versucht ein Haufen von elf Ganoven einen Casinotresor auszuräumen. Und wo ginge so etwas eindrucksvoller, als in der Heimstatt aller Casinos: in Las Vegas. Die Originalstory von George Clayton Johnson und Jack Golden Russel wurde beibehalten und für das Remake lediglich von Ted Griffin in ein neues Drehbuch gegossen, welches voll von liebenswert verrückten Figuren und sinnigem Dialogwitz ist. Doch wirklich großformatig ist erst die Umsetzung: Bis in die Nebenrollen von Debra Zane erstklassig besetzt und in den Hauptrollen von so zahlreichen wie hochkarätigen Hollywood-Glanzlichtern verkörpert; kurzum: ein Cast, wie ihn wohl nur Steven Soderbergh zusammen bekommen kann. In „Traffic“ präsentierte er schon einmal so ein Aufgebot. Die Rollen sind zwar etwas stereotyp, entfalten ihre spezielle Komik aber gerade durch die Tatsache, bestmöglich auf den Akteur zugeschnitten zu sein: George Clooney besticht als wortgewandter, charmant-schmieriger Obergauner Danny Ocean; Brad Pitt gibt dessen rechte Hand, den kühlen aber etwas einsamen Herzensbrecher; Julia Roberts die high society Dame, die stets Ex-Frau von jemandem ist. Über Matt Damon und Andy Garcia ließe sich die Liste noch fortsetzen. Alle Schauspieler hatten offenkundig viel Spaß beim Dreh. Die glamorösen Sets von Philip Messina gingen so ins Blut, dass auch nach Drehschluss noch Karten gespielt wurde.
Natürlich muss für einen guten Film auch irgendwer arbeiten und das ist in diesem Fall Steven Soderbergh gewesen. Da er sich bei der Führung der Charaktere wahrscheinlich nur wenig anstrengen musste, hat er umso mehr Aufmerksamkeit der Kamera widmen können. Den Part des Director of Photography übernimmt er selbst unter dem Pseudonym Peter Andrews. Die Kamera ist locker geführt und gibt den Darstellern viel Freiraum. Gerade dabei ist es schwer, alles im rechten Licht zu behalten, doch Soderberghs Bildkompositionen sind gelungen. Die für die Glitzerwelt so wichtige Beleuchtung ist stimmungsvoll. Ebenfalls gute Stimmung verbreitet der Retro-Soundtrack von David Holmes, der auf das Original zurückblickt.
Damals versuchten sich Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. am Casinotresor, heute hat der Stoff mit einem gewaltigen Staraufgebot, viel Humor und einer erstklassigen Inszenierung mehr als einen Wiederaufguss erreicht. „Ocean's Eleven“ bietet Kinovergnügen auf Spitzenniveau und kann den Zuschauer, der sich die ganze Zeit über eingeweiht fühlt, am Ende noch aufs Glatteis führen.
Filmkritik: Ocean's Eleven
Samstag, 19. Januar 2002