Amalthea
Amalthea
American Beauty war für mich eine echte Überraschung. Es gibt zwar viele ausgeleierte amerikanische Vorstadt-Filme, aber dieser ist anders. Die Story von Alan Ball strotzt nur so vor Witz und Hintersinnigkeit. Im großen Rahmen ist sie an Vladimir Nabokovs „Lolita“ angelehnt, nicht nur die Ähnlichkeit der Nachnamen von Angela Hayes und Lolita Haze deutet darauf hin. Gefüllt wird dieser Rahmen jedoch mit Nebenhandlungen und -charakteren, deren Verstrickungen an Abstrusität an Tarantinos „Jackie Brown“ erinnern. Die Handlung zeigt die Demontage der amerikanischen Vorstadtidylle, einen schonungslosen Blick hinter die Fassade des äußeren Anscheins auf karikierend Übertriebene Charaktertypen, die an den Gittern ihrer selbstgebauten Gefängnisse rütteln. Auch der Titel, der eigentlich eine Rosensorte bezeichnet, zielt in diese Richtung.
Der von Debra Zane grandios besetzte Cast präsentiert sich in Bestform; angeführt von Kevin Spacey und Annette Bening als Nitro und Glycerin in der Zeitbombe namens Familie Burnham. Die Regie von Sam Mendes setzt allem die Krone auf: Es stimmt einfach jedes Detail, jeder Blick und jede Geste entfaltet seine Wirkung. Einen weiteren Beitrag zum funktionierenden Humor des Films leistet das präzise Timing der Editoren Tariq Anwar und Christopher Greenbury und auch die Kamera von Conrad L. Hall, der es versteht, die menschlichen Distanzen durch physikalische Distanz auf dem Bild zu verdeutlichen.
Am Ende schlägt der Film sogar noch einige völlig unerwartete Haken, obwohl der Ausgang durch das Voice-over zu Beginn schon vorweg genommen wurde. Auch die Schlüsselszene der im Wind tanzenden Plastiktüte, die anders als die Filmfiguren keine Zwänge kennt und sich einfach nur treiben lässt, wird noch einmal wiederholt. Neben allem Humor kann der Film auch noch erfolgreich eine Aussage transportieren. Für Sam Mendes ist dieses Werk ein gekonntes Leinwanddebüt, wie man es selten erlebt und auch auf weitere Arbeiten von Alan Ball kann man sich freuen.
Filmkritik: American Beauty
Freitag, 3. August 2001