Amalthea
Amalthea
Die Mutter aller Fantasy-Epen kommt endlich in einer angemessenen Verfilmung auf die Leinwand. Für mich als ehemaliger Rollenspieler ist dieser Film ein großes Wiedersehensfest mit all den vielen Details der traditionellen Fantasywelt: Magier, Dämonen, Orks, Oger, Golems, Zwerge und natürlich Elfen, hier Elben genannt.
Die Romane von J.R.R. Tolkien zu verfilmen ist eine enorme technische und logistische Herausforderung, gilt es doch, dutzende Schauplätze und Charaktere überzeugend darzustellen. Man wird skeptisch, ob Regisseur Peter Jackson und Screenplay-Autorin Fran Walsh diese Aufgabe lösen können, wenn man solche Splatterschinken wie „Braindead“ in ihren Filmografien findet. Aber: sie können. Handwerklich kann dieser Film sehr überzeugen. An erster Stelle muss hier das exzellente Production Design von Grant Major genannt werden, der die fabelhafte Welt von Mittelerde ausladend, aber dennoch detailverliebt in Szene setzt. Für die vielen phantasievollen Orte wird alles aufgeboten, was die heutigen Special Effects hergeben: von Miniaturen bis zu computergenerierten Bildern. Alles fügt sich nahtlos zusammen. Die Kamera scheut sich auch nicht, diese Sets in ihrer ganzen Schönheit zu präsentieren. Gerade in den virtuellen Kamerafahrten rast man durch düstere Bergwerke und finstere Landschaften. Die Realeinstellungen sind eher konventionell gehalten aber in dynamischen Szenen auch recht schnell bewegt. Für die stimmungsvolle Beleuchtung sorgt Director of Photography Andrew Lesnie.
Eine weitere schwierige Aufgabe wartet auf Editor John Gilbert: Er muss die Aufnahmen der Hobbits so einbauen, dass diese stets kleinwüchsig wirken. Dazu mussten teilweise Bilder aus verschieden großen Sets glaubhaft zusammengefügt werden. Eine anspruchsvolle Arbeit, die gut gemeistert wurde. Mit den Hobbits sind wir bei den Darstellern angelangt. Diese erst bringen Leben in die phantastische Welt von Mittelerde. Die vielen Trickaufnahmen verlangen den Schauspielern viel Vorstellungskraft ab und die logistischen Dimensionen des Drehs können nur von einem sicher inszenierenden Regisseur gehandhabt werden. Elijah Wood, der als Ringträger Frodo ein zentrale Rolle spielt, ist eine Offenbarung. Er kann ohne weiteres mit Hollywood-Größen wie Sean Bean konkurrieren.
Doch wie in der Geschichte so gilt auch für den Film: Kein Licht ohne Schatten. Das Werk leidet darunter, eine Fortsetzungsgeschichte zu sein. Man merkt deutlich, dass das gesamte Projekt in einem Ritt gedreht wurde: Es fehlt dem ersten Teil ein würdiges Ende. Dramaturgisch ist der Film einfach nicht abgeschlossen, es gibt keinen echten Höhepunkt. Man könnte meinen, dies läge am Stoff, der an dieser Stelle nicht mehr hergibt, ich bin jedoch der Meinung: Wenn man die drei Teile jeweils als separaten Film präsentiert und wenn man schon nicht ganz werkgetreu vorgeht, dann kann man diesem Problem sicher durch geeignete Auswahl und Zuspitzung von Ereignissen entgegenwirken.
Es ist sicherlich ein gewagtes Vorhaben, einen derart gewichtigen Klassiker zu verfilmen. Schon die schiere Länge des Films, die trotz Selektion und ohne lange Ausschweifungen bei über drei Stunden liegt, zeigt dies. Entsprechend schonend geht man mit dem Zuschauer um: Für den geübten Kinogänger vielleicht etwas uninteressant wird die größtenteils lineare Erzählung nur von wenigen Rückblenden durchbrochen. Der Plot um Schicksal, Freundschaft und Machtgier wird einem praktisch vorgekaut. Aber dieser Film soll auch weder vom künstlerischen Anspruch noch von einer komplexen Handlung, sondern von der Atmosphäre getragen werden. Unter diesem Blickwinkel ist der erste Teil mehr als gelungen: Man fühlt sich in eine traumhafte Welt von magischer Schönheit versetzt, die mit ihren fabelhaften Kreaturen, ehrenhaften Helden und spannenden Abenteuern sicher nicht nur Rollenspielerherzen höher schlagen lässt. Warten wir also auf den zweiten Teil.
Originaltitel
The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring
Erscheinungsjahr
2001
Regie
Peter Jackson
#film
Filmkritik: Der Herr der Ringe – Die Gefährten
Donnerstag, 20. Dezember 2001